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Hernienforum 2011

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Über das Hernienforum

15 Jahre Zürser Hernienforum

Rückblick von Univ.-Prof. Dr. Gerhard Zimmermann


Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich weiß nicht, ob Ihnen bewusst ist, dass das Zürser Hernienforum heuer zum 15. Mal stattfindet, d.h. einen halbrunden Geburtstag feiert.

Prim. Dr. Mathias Scheyer, der Initiator und Leiter des Zürser Hernienforums, war seinerzeit mein chirurgischer Mitarbeiter an der Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie des Akademischen Lehrkrankenhauses Feldkirch und wurde im März 2000 zum Primarius der Chirurgischen Abteilung am Landeskrankenhaus Bludenz berufen. Diese Funktion übt er nach wie vor mit viel Erfolg aus.

Im Dezember 1995 haben wir uns auf seine Initiative hin zum ersten Mal hier in Zürs zum Hernienforum getroffen. Im Verlauf der Jahre ist es uns unter seiner Federführung – ich glaube, mit viel Eifer – gelungen, so ziemlich alle Aspekte und Probleme der äußeren Hernien des menschlichen Körpers und ihrer verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Sehr bereichernd war und ist auch die internationale Beteiligung an unserem Forum, vor allem aus Deutschland, sowie die Mitarbeit von Vertretern der Industrie.

Auf Wunsch von Mathias Scheyer nimmt auch ein Senior an den Veranstaltungen teil: vielleicht um immer wieder einen Rückblick zu halten!


Themen der Vorträge und Diskussionen waren immer wieder – stichwortartig – wie folgt:

  • Leistenhernien aller Formen, ihre Pathophysiologie, offene und endoskopische Operationsverfahren, wie Bassini-, Shouldice-, Lichtensteinplastik, TAPP und TEP.
  • Kinderhernien, Hernien bei geriatrischen Patienten, bei Lebercirrhose und Immunosuppression.
  • Sportlerhernie, Leistenschmerz, seine Ursachen und radiologische Abklärung, Leistensonographie.
  • Femoralhernie, Umbilikalhernie, seltene Hernien, Rezidivhernien.
  • Anästhesieverfahren bei Hernienoperationen, Tageschirurgie, Krankenstandsdauer nach Hernienoperationen, Qualitätssicherung in der Hernienchirurgie.
  • Laparotomietechniken, Bauchdeckenverschluss mit und ohne prophylaktischer Netzimplantation. Nahttechniken. Narbenhernien, herkömmliche und laparoskopische Versorgung.
  • Netzimplantate, die verschiedenen Materialien z.B. titanisierter Kunststoff, Fragen der Netzformate und der Netzfixation.
  • Biologische Antwort auf Netzimplantate und Langzeitfolgen im Menschen.

 Eine Reihe von Projekten wurde erfolgreich abgeschlossen.

 

1.) Empfehlungen der Konsensuskonferenz des Zürser Hernienforums zur Leistenhernie:

Empfehlungen zur Vorgangsweise bei primärer unilateraler Leistenhernie (unkompliziert und kompliziert: fraglicher Befund der Gegenseite), bei bilateraler Hernie, bei Rezidivhernie.

Bei Hernien im Kindesalter, bei Jugendlichen (14. – 18 L.j.), bei Erwachsenen (ab 18. L.j.) und bei Risikopatienten (Auch geriatrische Patienten. Bei ASA 3 – 4 und asymptomatischer medialer Hernie konservative Therapie).

Fragen zur Anästhesie, Tageschirurgie, zur postoperativen Rekonvaleszenzdauer und zur Leistensonographie.

Klassifikation und Stadieneinteilung nach Schumpelick et al. (Chirurg 1991).

Die erste Fassung der Empfehlungen wurde 1999 und die zweite Fassung 2002 fertig gestellt.

Aktuelles Anliegen ist es, die Empfehlungen der Konsensuskonferenz an die Richtlinien der EHS (Europäische Gesellschaft für Hernien) anzupassen.

 

2.) Errichtung eines Österreichischen Referenzzentrums für Biomaterial- und Implantationspathologie:

Errichtung am Institut für Pathologie des Akademischen Lehrkrankenhauses Feldkirch unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Felix Offner – in Anlehnung an das Deutsche Referenzzentrum in Aachen.

Die Vorstände der Österreichischen Gesellschaften für Pathologie und Chirurgie haben die Errichtung befürwortet.

Der Plan der Errichtung wurde am Österreichischen Chirurgenkongress 2001 in Graz publiziert.

Die Aufgabe ist die Untersuchung und Sammlung entnommener Netze operierter Hernien.

 

3.) Österreichische Multicenter-Studie betreffend die unilaterale Leistenhernie:

Im Zeitraum August 1998 bis Dezember 2001 konnten 757 operierte Patienten – 337 randomisiert und 420 nicht randomisiert – rekrutiert werden. Verglichen wurden die Operationsmethoden Bassini, Shouldice, Lichtenstein, TAPP und TEP hinsichtlich Rezidiv- und Komplikationsraten. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Mittel 3,04 Jahre.

Die over all-Rezidivrate betrug 3,6 %, die Rezidivrate bei Techniken ohne Netz 4,4%, mit Netz 3,2%, bei offenen Techniken 2,9% und bei endoskopischen 5,5%. Es fanden sich keine signifikanten Unterschiede.

Komplikationen wurden intraoperativ in 3,5% aller Fälle, postoperativ in 18% und spät-postoperativ in 12,8% beobachtet.  

Die Ergebnisse wurden am Österreichischen Chirurgenkongress 2006 in Wien publiziert.

Eine weitere Publikation, und zwar über die randomisierte Patientengruppe, folgte 2008 in der Zeitschrift „Hernia“ mit einem positiven Kommentar von P.K. Amid vom Lichtenstein Hernia Institute in Los Angeles.

Eine der an der Multicenter-Studie teilnehmenden Kliniken berichtete am Österreichischen Chirurgenkongress 2005 in Wien über postoperativen Schmerz und Lebensqualität nach den 3 Operationsmethoden Bassini, Shouldice und TAPP. Hinsichtlich postoperativen Schmerz bis zum 4. Tag nach dem Eingriff schnitt die Shouldice-Plastik am schlechtesten ab.

 

4.) Österreichweite Umfrage zur Narbenhernienrekonstruktion:

An die 140 chirurgischen Abteilungen in Österreich wurden zur Jahrtausendwende Fragebögen zur Erhebung von Inzidenz und Behandlungstechniken bei abdominellen Narbenhernien und Rezidivnarbenhernien versandt. 51 Abteilungen retournierten die Schreiben vollständig ausgefüllt.

Die Inzidenz von Narbenhernien wird in der Literatur mit durchschnittlich 10 % angegeben, die Häufigkeit nach medianen Laparotomien übersteigt mit bis zu 15 % die bei queren Laparotomien um mehr als das Doppelte.

In einem Jahr wurden an den genannten Abteilungen 12.632 mediane und 3.811 quere Laparotomien ausgeführt. Narbenhernien waren nach medianen Laparotomien nur geringfügig häufiger, Rezidivnarbenhernien jedoch wesentlich häufiger als nach queren Laparotomien. Zum operativen Verschluss der Narbenhernien wurden zu etwa je 1 Drittel der einfache Faszienverschluss, die Fasziendoppelung nach Mayo und die Implantation von alloplastischem Material, vor allem Prolene, herangezogen. Lediglich bei Rezidivhernien wurde letzteres häufiger eingebracht.

Die laparoskopische Narbenhernienrekonstruktion wurde damals – obwohl vielversprechend – trotz der wesentlich geringeren Rezidivhäufigkeit sehr selten angewandt.

Die Narbenhernienchirurgie stellt in Österreich offensichtlich ein unbefriedigend und uneinheitlich gelöstes Problem dar.

Die Ergebnisse der Umfrage wurden am Österreichischen Chirurgenkongress 2000 in Alpbach in Tirol publiziert.

Aktuell ist eine Umfrage zu den 10-Jahresergebnissen der damaligen 51 Abteilungen geplant.

 

Meine Damen und Herren!

Wie Sie sehen und wie eingangs erwähnt, wurden die einschlägigen Themenkreise im Verlauf der letzten 15 Jahre ausgiebig und quasi flächendeckend bearbeitet.

Die Vorträge und Diskussionen waren von großem wissenschaftlichen Engagement, beachtlichem Innovationsdrang sowie besonderem chirurgischen Wissen und Können geprägt.

 

Das Zürser Hernienforum genießt mittlerweile hohes Ansehen, weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Das ist allen Teilnehmern, besonders dem harten Kern der seit 15 Jahren ständigen Mitgliedern in unserem Forum zu danken.

Danken möchte ich auch den teilnehmenden Vertretern der Industrie und den Sponsoren für ihre 15-jährige Unterstützung, ohne die das Zürser Hernienforum nicht denkbar wäre!

Meine spezielle Hochachtung gilt aber Dir, lieber Mathias, für Deine unermüdlichen Anstrengungen, das Hernienforum jedes Jahr erneut organisatorisch und inhaltlich so vielseitig und erfolgreich zu gestalten.

Mein Dank ist verbunden mit dem Wunsch, dass wir uns auch in den nächsten Jahren mit dem gleichen Enthusiasmus im Dezember in Zürs wieder sehen!